Kekse für den guten Zweck

Hallo meine Lieben,

heute erreicht Euch ein ganz besonderer Blogpost von mir. Da dieses Thema derzeit alles und jeden beherrscht, bitte ich Euch, keine Diskussion loszutreten – es soll lediglich, wie jeder Post von mir,  einen kleinen Einblick in mein Leben geben. Ich widme mich heute dem hypersensiblen Thema „Flüchtlinge in Deutschland – wie kann ich helfen?“.  


Mit diesem Post unterstütze ich definitiv nicht die Politik, die die derzeitige Situation erst möglich gemacht hat und ich möchte auch nicht darüber diskutieren, was richtig und was falsch ist. Denn dazu hat jeder seine eigene Meinung und die soll auch jeder haben. Ich wollte mit meiner Aktion den Menschen ein kleines Lächeln ins Gesicht zaubern, die gerade nichts oder nicht viel zum Lachen haben. Auch hier gehen natürlich die Meinungen auseinander, aber ICH sehe es so.
Wie bestimmt einige von Euch wissen, lebe ich in Berlin und hier sind die Zustände sehr bedrückend; zumindest bedrücken sie mich. Ein- bis zweimal pro Woche gehe ich gegenüber dem LaGeSo zur Schule und bekomme zumindest einen minimalen Eindruck vom Geschehen in einer Erstanlaufstelle. Des Öfteren lief ich nun schon daran vorbei und jedes Mal wuchs der Wunsch, etwas tun zu können, mehr. Nach den Sommerferien war ich allein von dem Anblick erschüttert, als ich morgens die vielen Menschen sah, die in ihren Schlafsäcken oder zusammengekauert auf Isomatten lagen; wohlbemerkt auf dem blanken Gehweg vor dem LaGeSo-Gelände.  

Neulich kam ich von der Schule und sah wie ein privater PKW an Straßenrand vorm Gelände hielt und sich in nullkommanichts eine riesige Menschentraube drumherum bildete. Nach und nach sah man, wie sich ein paar Menschen mit etwas in Alufolie Eingewickeltem von Auto entfernten – es gab einen fleißigen Helfer, der für Lebensmittel-Nachschub sorgte… Während dieser gesamten Zeit beobachtete ich einen kleinen Jungen (etwa 4 Jahre alt), der mit Sicherheit auch großen Hunger verspürte. Er lief aufgeregt um die Menschentraube herum und versuchte auch sein Glück, etwas Essen zu ergattern. Leider war er zu klein zwischen den vielen Erwachsenen und wurde kaum wahrgenommen. Er kam auch immer wieder auf die Straße, die doch schon mal stark befahren wird. Eine sehr beängstigende Situation für einen Beobachter.

Jede Woche auf’s Neue überlegte ich, wie ich helfen kann. Leider kann ich nicht stundenlang vor Ort die Helfer/innen unterstützen, da ich Mutter eines Einjährigen bin, für den ich auch da sein möchte. also überlegte ich, was ich aus der Ferne tun könnte. Da kam mir die Idee, dass ich einfach mal was backen könnte. Natürlich keinen Kuchen, der mit 12 Stückchen nicht viele Leute glücklich machen würde. Es musste etwas her, das man auf viele einzelne Menschen aufteilen kann – Kekse!
Ich backe leidenschaftlich gerne und betreibe einen Backblog. warum sollte ich dann nicht einfach meine öffentliche Backleidenschaft nutzen und anderen damit etwas Gutes tun?! Und vielleicht kommt ja der ein oder andere Hobbybäcker auch auf den Geschmack und möchte etwas Gutes tun.
Nachdem ich meinen Mann damit tage- oder wochenlang in den Ohren lag, habe ich mich endlich getraut, an den Stellen meine Hilfe anzubieten, wo sie gebraucht werden könnte. Ich habe mich zunächst nicht getraut, meine Hilfe anzubieten, weil ich etwas Schiss vor den Meinungen und Konfrontationen von Freunden, Bekannten etc. hatte, da schon ein paar Gespräche zum Thema „Flüchtlinge“ negativ behaftet waren und ich immer als einzige eine andere Sichtweise auf die Dinge hatte. Aber ehrlich gesagt, ist mir das mittlerweile egal. Ich habe gemerkt, dass doch einige hinter meiner Aktion stehen und deshalb hab ich bei dem Verein „Moabit hilft“ nachgefragt und prompt eine Antwort bekommen. So konnte ich losbacken und bin sage und schreibe auf ca. 700 Kekse gekommen. Das reicht bei Weitem nicht für jeden Einzelnen, aber zumindest die Bewohner einer Notunterkunft kann ich nun für einen kurzen Moment glücklich machen. 


Ich habe mich für Smileys entschieden, damit nicht immer alles so trostlos und traurig daherkommt. Ganze 3kg Mehl habe ich verbacken. Die Kekse habe ich bunt dekoriert, damit es einfach schöner und lebensfroher aussieht. Mein Mann und ich haben dann jeweils 3 Kekse in kleine Tüten verpackt und sind so auf gut 220 Kekstüten gekommen, die zum Spenden bereitliegen.


Dann machten wir uns nach Absprache auf dem Weg zur Unterkunft, um uns dort mit Frau H. zu treffen und ihr die Kekstüten zu überreichen.
Vor Ort angekommen war es schon irgendwie ein komisches Gefühl, aber irgendwie war es auch ein gutes Gefühl. Auf den ersten Blick sag man nicht, dass es sich um eine NUK handelt, bis wir die Hinweisschilder/Wegweise entdeckten. Eine leerstehende Schule wurde kurzerhand umfunktioniert. Draußen spielten ein paar Jungs Fußball. Mit Frau H. gingen wir gemeinsam ins Gebäude durch eine Art provisorische Einlasskontrolle. Frau H. hat uns angeboten, dass wir die Kekse selbst verteilen können. Dies haben wir dann auch gemacht, wobei ich dann aber gar nicht so richtig wusste, wie ich mich mit den Menschen verständigen soll. Ich kann deren Sprache nicht, sie unsere nicht und englisch wurde auch nicht so richtig verstanden. Also haben wir einfach die große vollgepackte IKEA-Tasche aufgehalten und dann haben sie schon verstanden, dass sie sich Kekse herausnehmen dürfen. Zuerst standen wir mit 2 oder 3 Müttern, die ihre Kinder dabei hatten auf dem Gang, die für sich und ihre Familien dankbar Kekse entgegennahmen. Kurze Zeit darauf kamen ein paar 5-7jährige Jungs die Treppe heruntergerannt und wurden gleich von uns belagert und dann belagerten sie uns. Diese strahlenden Gesichter, nachdem sie verstanden, dass es sich um Süßigkeiten handelt, waren einmalig und hatten auf mich eine ganz besondere Wirkung.
Danach wurde das Verteilen allerdings doch von Frau H. in die Hand genommen, da das dann sicher gesitteter ablief.  
Vielen lieben Dank an Frau H.!


An dieser Stelle möchte ich allen Helfern (vor allem denen, die stundenlang vor Ort mit anpacken) meinen Respekt aussprechen und mitteilen, wie großartig ich Eure Arbeit finde. Macht auf jeden Fall weiter so und vielleicht ergibt sich ja noch eine weitere Möglichkeit, wie man Euch tatkräftig unterstützen kann.


Außerdem bedanke ich mich bei meinen eigenen lieben Unterstützern, die mir Mut zugesprochen haben und mir mit Rat und Tat zur Seite standen.
Mein Mann als Verpackungs-Helfer darf natürlich nicht unerwähnt bleiben, dankeschön!
Eigentlich wollte ich darüber keinen Post verfassen, da es für mich eine persönliche Angelegenheit ist, aber meine liebe Freundin Melly hat mir auch hier Mut gemacht und befürwortet, dass ich einen öffentlichen Post schreiben solle. Danke!

 

Eure Steffi





Kommentare

  1. Dafür braucht es keinen Dank, es ist für mich selbstverständlich! Ich kann mir nun alles bildlich vorstellen und bin unheimlich stolz, auf dich, deine Idee, ihre Umsetzung, deinem hilfreichen Mann sowie der Tatsache, einen solchen Menschen wie dich, kennen zu dürfen.
    Melly

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